Vielfältige Leitungsformen

Wie kann Kirche zukunftsfähig gestaltet werden? Wie kann den Veränderungen in Gesellschaft, in der Seelsorge und in den Berufsfeldern der Kirche so Rechnung getragen werden, dass Kirche den Herausforderungen der heutigen Zeit angemessen begegnen kann?

Diesen Fragen nähert sich das Bistum Münster mit einer Handreichung, in der unterschiedliche Möglichkeiten der Leitung von Pfarreien und Gemeinden vorgestellt werden. Begleitend zur Druckversion, die die Pfarreien nun erhalten, gibt es alle Infos, Aktualisierungen und flankierende Angebote wie zum Beispiel Exkursionen im Internet unter https://leitungsformen.bistum-muenster.de.

„Ich möchte dazu ermutigen, Leitungsstrukturen zu entwickeln, die für die jeweiligen Situationen angemessen sind. Die Gremien der Pfarrei verantworten dabei die pastoralen Leitlinien der gesamten Pfarrei und ermöglichen ihre Umsetzung“, betont der Bischof von Münster Dr. Felix Genn. Ziel ist, wie es in der Broschüre heißt, „ein höheres Maß an Partizipation“ zu erreichen und zu klären, welche konkrete Verantwortungs- und Entscheidungskompetenz den Menschen übertragen werden kann, die der Kirche vor Ort ein Gesicht geben.

Die Corona-Pandemie habe den Menschen in den Pfarreien viel abverlangt; andere Wege miteinander in Kontakt zu bleiben, Gottesdienst zu feiern und den Glauben zu leben seien gefunden worden, heißt es in einem Anschreiben an die Pfarreien und weiter: „Diese nie dagewesene Situation bringt auch eine beeindruckende Kreativität und Flexibilität zu Tage, von der wir hoffen, dass sie erhalten bleibt und hilft, Kirche und kirchliches Leben auf Zukunft hin zu gestalten und lebendig zu halten. Das ist unbedingt notwendig!“

„Wir möchten mit der Handreichung einen Impuls geben, über neue Formen von Leitung nachzudenken. Es ist ein dynamischer Prozess, das spiegelt auch die Website. Dort möchten wir auch Erfahrungsberichte platzieren und die Vernetzung der Pfarreien und Gemeinden aktiv unterstützen“, sagt Maria Bubenitschek, Hauptabteilungsleiterin Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat. Es gehe nicht darum, eine der in der Handreichung vorgestellten Leitungsformen übernehmen zu müssen, sondern vor Ort jeweils zu schauen, was möglich sein kann, was passt.

Das unterstreicht auch Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp: „Leitung hat im Bistum Münster viele Gesichter“, sagt er und erklärt weiter: „So unterschiedlich die Pfarreien und Gemeinden sind, so unterschiedlich dürfen auch die Leitungsformen sein.“ Deutlich werde das auch im Pastoralplan des Bistums Münster, der den Satz enthalte: „Die Lebenswirklichkeit der Menschen ist Ausgangspunkt jeder Pastoral.“ Dabei sei die Entwicklung vielfältiger Leitungsformen vor Ort nicht isoliert, sondern im Kontext lokaler Pastoralpläne zu betrachten: „Die Überlegungen zu den neuen Leitungsformen knüpfen am Pastoralplan an oder entwickeln sich daraus weiter“, sagt der Generalvikar. Es gehe um eine Kultur der Beziehung.

Die in der Handreichung vorgestellten Leitungsformen sind das Ergebnis eines Diskussionsprozesses mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Pfarreien des Bistums. Die künftigen neuen Leitungsformen sollen eine Antwort darauf sein, dass die im Bistum in den vergangenen Jahren erfolgte Zusammenführung von Pfarreien „eine veränderte Pastoral und ein verändertes Leitungshandeln erfordert“, heißt es in der Broschüre. Notwendig seien neue Formen der Aufgabenteilung, Organisation und Führung. Auch sei zu beachten, wie seelsorgliches Handeln und die nötigen Verwaltungstätigkeiten gut und effektiv ausbalanciert werden könnten. Grundsätzlich gelte dabei, dass es beim Thema Leitung in Kirche nicht einfach nur um verbesserte und effizientere Formen der Arbeitsorganisation gehe. „Leitung in Kirche hat stets eine zutiefst spirituelle und dienende Dimension, bei der die Orientierung an der gemeinsamen Sendung im Dienst an Gott und den Menschen, im Zentrum steht“, wird betont. Durch die Vielfalt an Leitungsformen solle das Bewusstsein für die gemeinsame Berufung und Befähigung aller Getauften gestärkt werden, der Sendung der Kirche vor Ort zu dienen.

In der Broschüre werden einige Leitungsformate vorgestellt; es sei aber auch möglich, dass vor Ort weitere Formate entwickelt würden, wird unterstrichen. So wird etwa ein regelmäßiges Teamgespräch des Seelsorgeteams mit den ehrenamtlich Verantwortlichen vorgeschlagen. Auch könne eine verbindlichere und verstärkte Zusammenarbeit von Pfarreirat und Kirchenvorstand überlegt werden. Eine weitere Leitungsform sieht eine Verwaltungsleitung in einer Pfarrei vor. Das wird derzeit bereits in einer Pilotphase getestet. Ziel dieser Form ist die weitreichende Entlastung des Pfarrers von Verwaltungsaufgaben. Vorgestellt wird auch die Möglichkeit, dass gewählte Ehrenamtliche gemeinsam mit den Hauptberuflichen die Pfarreileitung im Sinne eines erweiterten Pastoralteams verantworten. Möglich soll auch sein, dass die Gemeindeleitung durch Pastoralreferentinnen und -referenten, Diakone oder Priester oder aber auch durch Gemeindeleitungsteams wahrgenommen wird. Eine weitere Form geht von multiprofessionellen Teams aus, in denen vielfältigere Berufsgruppen, etwa Sozialpädagoginnen und -pädagogen, eingebunden werden können. Weiterentwickelt werden könne auch, dass Hauptberufliche oder Ehrenamtliche die Leitung einzelner seelsorglicher Handlungsfelder übernehmen. Denkbar sei zudem, das ehrenamtliche Engagement durch den Einsatz von Ehrenamtskoordinatoren zu stärken. Bischof Genn, so wird in der Broschüre weiter betont, schließe zudem aktuell grundsätzlich die Anwendung des Kanons 517 §2 des kirchlichen Gesetzbuches nicht aus. Dieser Gesetzesartikel beschreibt die Möglichkeit der Wahrnehmung von Leitungsaufgaben von Einzelpersonen oder einer Gemeinschaft von Personen, die nicht Priester sind, bei gleichzeitiger Bestimmung eines „moderierenden“ Priesters mit den Rechten und Pflichten eines Pfarrers.

Die Handreichung zum Download

Kontakt

Oliver Lücke
Referat Geschäftsführung Pastoralplan
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