Veränderungen gestalten

Die katholische Kirche befindet sich in einem grundlegenden Veränderungsprozess – auch im Bistum Münster. Dazu zählen veränderte Lebensentwürfe und -einstellungen der Gesellschaft, die mit neuen Fragen der Menschen einhergehen und auf die die Kirche Antworten finden muss, ebenso wie die demografische Entwicklung. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben, das gilt auch für die Seelsorge. Die jetzt erschienene Veröffentlichung „Veränderungen gestalten. Zukunft der Kirche durch Abschied von Gewohntem“ des Diözesanrats des Bistums Münster widmet sich diesem Thema. Empfohlen wird, alles, was in einer Pfarrei angeboten wird, auf den Prüfstand zu stellen.

„Es ist gut und klug, alles auf den Prüfstand zu stellen. Man wird dann feststellen, dass man zwar auf so manches Althergebrachte verzichten kann, aber vieles Liebgewonnene auch zu Recht weiterführen oder sogar verbessern muss. Es sollte daher niemand Angst haben, den Prozess der Prioritäten und Posterioritäten anzustoßen“, sagt Dr. Frank Möllmann, Moderator des Diözesanrats. Frank Vormweg, Hauptabteilungsleiter Zentrale? Aufgaben im Bischöflichen Generalvikariat und vormals Seelsorgeamtsleiter ergänzt: „Ja, Vieles gehört auf den Prüfstand. Glaube wächst aus Erinnern, nicht aus Nostalgie. Altes hat dann weiterhin spirituelle Kraft, wenn es heute Glauben stärkt.“

„Die Arbeitshilfe soll Anregungen und Hilfestellung geben“, sagt Lisa Rotert, Geschäftsführerin des Diözesanrats und des Diözesankomitees im Bistum Münster. Es sei schwer, über Posterioritäten, also Dinge, die wegfallen, zu reden, weil sie nicht mehr geleistet werden könnten. „Die Arbeitshilfe“, betont sie, „versucht durch Beispiele und Fragestellungen mögliche Wege aufzuzeigen und zu ermutigen, sich auch schwierige Entscheidungen zu wagen.“

Prioritäten zu setzen ist deswegen eine Herausforderung, weil die Konsequenz daraus ist, dass alles, was nicht zu den Prioritäten zählt, automatisch nachrangig ist“, erklärt Lisa Rotert. Das ist eine Herausforderung, der sich auch die Absender der Broschüre bewusst sind. Nichtsdestotrotz sagt Frank Vormweg: „Prioritäten zu benennen, zu sagen, was relevant ist für eine lebendige und ansprechende Kirche hilft, zum Wesentlichen zu finden.“

„Entscheidungen zu Nachrangigkeiten sind mit Abschieden, unterschiedlichen Meinungen und auch Konflikten verbunden“, weiß Lisa Rotert. Das könne zu Auseinandersetzungen und auch Trauerprozessen führen. „Da will niemand gerne ran“, erklärt sie und Dr. Frank Möllmann fügt hinzu: „Bei allen Diensten und Angeboten einer Gemeinde sind immer auch Menschen beteiligt, die sich oft über einen langen Zeitraum mit Herzblut in diesem Bereich engagiert haben. Da kann es schnell als Kränkung oder Geringschätzung empfunden werden, wenn eine Pfarrei dann genau diesen Bereich als nachrangig einstuft.“ Die Sorge der Entscheider in einer Pfarrei rühre also auch zu einem Teil daher, die Engagierten nicht zu verprellen und so für die Mitarbeit in der Gemeinde zu verlieren. Dazu komme, dass ein Prozess von Vor- und Nachrangigkeiten einen Einschnitt in das Idealbild der offenen Kirche vor Ort für alle bedeute. „Das fällt schwer.“

„Das wichtigste ist eine gemeinsame Vision und Zielvorstellung der Verantwortlichen und möglichst vieler Gemeindemitglieder darüber, mit welchen Diensten und Angeboten die Pfarrei vor Ort den Auftrag der Kirche erfüllen kann und will. Diese Vision muss auf die Erfordernisse der Gläubigen und die Möglichkeiten der Pfarrei abgestimmt und in einem Pastoralplan formuliert werden. Mit einem solchen Ziel vor Augen lassen sich notwendige Entscheidungen leichter treffen und die Menschen zum Mittun leichter motivieren“, zeigt Dr. Frank Möllmann auf. Veränderungsprozesse in Pfarreien begännen oftmals damit, dass man miteinander über den Glauben ins Gespräch komme, pflichtet Frank Vormweg bei. „Fragen wie ‚Was bewegt mich? Woran glaube ich? Was ist mir fremd?‘ stehen da am Anfang. So wird dann Schritt für Schritt deutlich, warum es mir wichtig ist, mich in der Kirche einzubringen.“

Augenmerk soll in dem Prozess in besonderer Weise auf diejenigen Gläubigen gelegt werden, die der Kirche eher fernstehen. „Eine Schwierigkeit ist, dass Pfarreien viele Mitglieder nicht erreichen. Es gehen weniger als zehn Prozent der Mitglieder zu den Sonntagsgottesdiensten. Viele sind mit den Angeboten der Pfarrei, zum Beispiel der Kita, sehr zufrieden, aber sie wissen nicht, dass es ein kirchliches Angebot ist. Im Gespräch über die Prioritäten ist es wichtig, diesen großen, weitgehend unbekannten Teil einer Pfarrei in den Blick zu nehmen und in die Gespräche mit einzubeziehen“, gibt Frank Vormweg zu bedenken. Das sei leicht gesagt, aber vor Ort sicherlich nicht einfach umzusetzen, ist er sich auch dieser Herausforderung bewusst.

„Entscheidungen über Vor- und Nachrangigkeiten müssen vor Ort individuell getroffen werden“, macht Dr. Frank Möllmann deutlich und erklärt: „Unsere Pfarreien sind sehr unterschiedlich. Bei einem solchen Prozess müssen Entscheidungen immer mit Blick auf die Situation vor Ort getroffen werden. Die Arbeitshilfe bietet dazu Hilfestellung und zeigt mögliche Wege und Kriterien für einen solchen Prozess auf.“

„Angelehnt an die Vision des Bistums Münster ‚Wir sind eine lebendige missionarische Kirche, nah bei den Menschen und vertrauen, dass Gott in der Welt ist. Gott und Mensch sollen in Beziehung kommen‘ ermutigt die Broschüre, zu überprüfen, wie lebendig und nah die Kirche vor Ort ist. Sie ermutigt, neu zu überlegen, wie Beziehungen zu Gott und untereinander gelingen können“, fasst Lisa Rotert zusammen.

Die Broschüre ist von einer Arbeitsgruppe erarbeitet worden. Mitglieder der Arbeitsgruppe waren: Dirk Borowski, Susanne Deusch, Dorothea Große-Frintrop, Dr. Burkhard Löher, Dr. Frank Möllmann, Kathrin Mühlhause, Lisa Rotert, Stefan Sühling, Frank Vormweg, und Wilhelm Wigger.

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Oliver Lücke
Referat Geschäftsführung Pastoralplan
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